
Interessant wird es, je weiter man sich von hohen User-Ratings und Erwartungshorizont eines Normalverbrauchers entfernt. Einige Klicks weiter entfalten jene Webstreams ihren subversiven Charakter. Heteronarmativen, medial vermittelten Idealen und Vorstellungen über Körper und Sex wird von der breiten Masse der User ordentlich in die Mangel genommen. Golden Girls stellen ihr GoGo-Potenzial unter Beweis, der Investment Banker liebt es wie ein Hündchen herumkommandiert zu werden, da fingern sich Sechzigjährige und jenseits der 130kg Grenze brummen unbeeindruckt die Vibratoren.
Der unkonventionellen Umgang mit Körperidealen, Sexpraktiken, Selbstdarstellung, Erwartungshaltungen, Objekt- und Subjektifizierung stellt bisher Geltendes ordentlich auf den Kopf. Die Anonymität und Hürdenlosigkeit, die das Internet mit sich bringt, ermöglicht einen ungezwungeneren Umgang und vor allem einen offeneren Austausch von Verlangen und Begehren, das andere Medien schnell in Schubladen stecken und gut verschließen würden. Wie willkommen dieses Phänomen ist, lässt sich diskutieren: Tragen jene User, die sich den guten und selbst den schlechten Sitten widersetzen zur Demokratisierung ihrer Körperlichkeit bei? Hat diese Form des Exhibitionismus eine gesellschaftspolitische Relevanz indem sie ein gängiges soziales Regelwerk strapazieren? Und wie sehr ist man sich selbst der Tragweite dieser Wagnis bewusst? Allein die Tatsache, dass die Bilder, die produziert werden, nicht mehr der Kontrolle des Darstellers unterliegen, deutet auf einen Kontrollverlust über den eigenen Körper hin.

source: cam4.com