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Utilisez-moi, merci

July 25, 2009

utilisez-moi

Pornografie polarisiert, insbesondere wenn man sich dem Feminismus verschrieben hat. Die Frau ist Sexualobjekt, bloßer Körper, austauschbar und willenlos. Ein Spielball männlicher Phantasie für den einseitigen Lustgewinn. Ein Phänomen, das tiefe Gräben zwischen die Geschlechter reißt.

Begeben wir uns abseits des Mainstreams und werfen einen Blick auf schwule Pornografie. Die macht es uns leicht. Die Geschlechterproblematik ist weggefallen und wir haben es mit einer Subkultur zu tun, die sich aufgrund ihrer Außenseiterposition selten um Konventionen geschert hat, besonders in sexueller Hinsicht. Das äußert sich allein durch die vielfältigen Begehrensmuster, die zwischen hartem Leder-Macho und wimpernklimpernder Drag-Queen, zwischen 18jährigem Twink und 55jährigem Bären changieren, gespickt von sämtlichen Fetischen. Nirgendwo wird der schillernd bunten Sexualität so Rechnung getragen wie dort.

Einige Schemen, die aus heterosexuellen Pornos bekannt sind, kehren jedoch wieder: es entstehen Hierarchien, Konstellationen aus Unterwürfigkeit und Dominanz, verschiedene Machtebenen wenn man so will und die Argumentation, jene Differenz sei von sexuellem Reiz, ist wohl streitbar. Spannend ist jedoch, dass in schwuler Pornografie diese Rollen nicht starr festgeschrieben sind, sondern die Charaktere oft von einem Extrem ins andere wechseln. Diese Darstellung von Uneinheitlichkeit steht einem klar strukturierten Geschlechterbild entgegen, das klare Trennlinien zwischen Mann und Frau postuliert und Individuen per se in die Rollen von Aggressor und Opfer, Aktivem und Passiver zwängt. Klassische Pornografie trägt dieser Rollenvorstellung nur allzu oft Rechnung und ist daher zu kritisieren. Anstatt jedoch über ein (undurchführbares) Verbot nachzudenken, das vor allem DarstellerInnen kriminalisieren und in den rechtlosen Untergrund zwingen dürfte, ist es wichtiger an einer Demokratisierung von Pornos zu Arbeiten. Zum Teil ist wurde damit schon begonnen durch ein entsprechendes Angebot von feministischen, lesbischen sowie schwulen Produktionen oder home made-Pornos, die LaiendarstellerInnen ohne Zwang und kommerzielle Absichten in ihren eigenen Schlafzimmern zeigen, manchmal fernab von körperlichen und sexuellen Idealvorstellungen.

Das Problem, dass PornodarstellerInnen als Objekte angesehen werden, ist wohl dem Medium inhärent, da jene Art der Darstellung nur selten auf die Differenzierung eines Charakters ausgerichtet ist, und ebenso wie bei Werbeclips ein zu konsumierendes Produkt im Vordergrund steht hinter dem die Person als Individuum verschwindet.

In einem schwulen Porno vom französischen Regisseur Jean Daniel Cadinot aus den frühen 1980er Jahren bietet sich ein Mann als selbstbewusstes Lustobjekt an, indem er an einer Aufschrift lehnt „Benützen Sie mich – danke“. Eine Frau in dieser Position wäre wohl mehr als bedenklich. Dabei geht es jedoch nicht darum, dass man Frauen nicht so darstellen darf sondern die primäre Frage ist, was sich gesellschaftlich ändern muss, damit es kein Problem mehr stellt. Alternative, Geschlechterrollen aufbrechende Pornografie kann dazu sicher ihren Teil beitragen: Utilisez-la, merci!